Glocken und Läuteordnung

Glocken gehören zu den ältesten Musikinstrumenten. Ihr Ursprung reicht bis ins vierte Jahrtausend vor Christus zurück; vermutlich stammen sie aus China, wo man ihren Hohlraum zugleich als Maßeinheit für Getreide nutzte.

Erst im 5. Jahrhundert nach Christus gelangten Glocken nach Europa. Hier hielten sie zunächst in Klöster Einzug, dienten als akustisches Symbol der Verkündigung der christlichen Botschaft. Auch außerhalb von Klöstern bereicherten sie bald das Leben der Gemeinden:

Ihr Klang zeigte den Beginn des Gottesdienstes an und rief die Gläubigen zusammen. Zur sakralen Funktion gesellte sich die profane: Mit dem Läuten der Glocken zu den sieben üblichen Gebetszeiten wurden sie zum wichtigen Zeittakt-Instrument. Nicht zu unterschätzen war der vielfältige Einsatz der Glocken als "Informationsmedien". Lange Zeit dienten sie als Feuermelder, warnten vor Sturmfluten und ordneten das städtische Leben.

Verstummten die Glocken, hatte das nichts Gutes zu bedeuten: Seit dem Dreißigjährigen Krieg wurden in wohl allen großen Kriegen Glocken zu Kanonen umgegossen, so rund 65.000 im Ersten und fast 90.000 im Zweiten Weltkrieg. So kommt dem Klang der Glocken als Friedenszeichen eine besondere Bedeutung zu. Wohl auch aus diesem Grund ist das Geläut der Glocken tief in unserer Kultur verwurzelt.

Auch die große Repelner Glocke aus dem Jahr 1638 sollte im 2.Weltkrieg zu Patronenhülsen umgeschmolzen werden. Man holte sie herunter, aber findige Repelner Bürger versteckten sie lange Jahre  in Moers. Als man sie wieder auffand, transportierte man sie durch ganz Deutschland mit der Eisenbahn, aber man fand keine Zeit mehr sie einzuschmelzen, der Krieg war vorüber. Nur die Irrfahrt der Glocke war noch nicht vorüber. Erst im Jahr 1949 konnte sie wieder mit ihrer kleinen Schwester vom Repelner Turm zum Gottesdienst läuten.

Große Glocke

Zwischen zwei geschmückten Bändern, unter denen sich an einer Seite ein 10 cm breites Kreuzband mit reichen Verzierungen befindet, laufen zwei Linien mit der Inschrift:

GODT UND SEIN HEILIG WORT ZU PREISEN HAT DIE GEMEIN HIRAN DEN ERNST ERWEISEN.  WAN ICH THUE RAUFEN SNEL SOLLT IHR LAUFEN ZU DER STEL DAS IHR MUGT LEHREN MIT FLEIS ANHÖREN WAS GODT GEVLE  REP.  CAL.  MART.   AD  1638

Die Glocke wiegt 1300 kg und ist auf  „ES“ gestimmt.

Ein seitlicher Klöppel übernimmt den vollen Stunden Schlag, aber erst nach dem ¼ Stundenschlag der kleinen Glocke.

Diese Glocke wurde 1940 von den damaligen Machthabern beschlagnahmt und sollte zur Herstellung von Patronenhülsen eingeschmolzen werden. Am 23. Dezember 1940 läutete sie eine Stunde lang zum Abschied für die Gemeinde. Der Abtransport wurde aber durch heimliche Befürworter verzögert und sie wurde im Moerser Straßenbahndepot versteckt. Von dort kam sie nach Kley in die Eifel und als die Amerikaner näher rückten nach Mansfeld im Harz. Dieses Gebiet wurde nach dem Krieg sowjetische Besatzungszone, und es war sehr schwierig sie dort wieder heraus zu holen. Am 31. Oktober 1949 am Reformationstag konnte das feierliche Geläut wieder erklingen. 

Kleine Glocke

An der oberen Wölbung befinden sich zwei reich geschmückte Bänder. Zwischen denen ziehen sich 3 Linien hin, die in 3 cm hohen Buchstaben die Inschrift tragen:

O TERRARUM INCULTATE AUSCULTATE VOCI DEI ! ALEXANDER VON WEFORT DROST; JOHANNES BECKER; JOHANNES LUISCIUS;  P. FRANCISCUS HEMONY ET JOSEPHUS MICHELIN. SCHOLTHEIS ADOLF VON GOOR RENTMEISTER
 ME FECERUNT
AD  1636

Übersetzt:

O ihr Bewohner der Erde, höret auf des Herrn Stimme !   Alexander von Wefort Drost; Johannes Becker, Johannes Luiscius, P. Franciskus Hemony und Josephus Michelin, Schultheis Adolf von Goor Rentmeister
haben mich gefertigt
im Jahre des Herrn 1636

Die Glocke wiegt 450 kg und ist auf  „F“ gestimmt.

Ein seitliche Klöppel übernimmt den ¼ Stunden Schlag.

¼ nach: 1 Schlag
um halb: 2 Schlag
¼ vor: 3 Schlag
Um voll: 4 Schlag