Turmmuseum

Seit September 2010 hat Repelen eine Attraktion mehr. Im Turm der Ev. Dorfkirche befindet sich ein kleines Museum, das im weitesten Sinne des Wortes auch etwas mit Kirche zu tun hat. Wenn es heißt im Turm, dann meinen wir auch Turm, denn von unten bis oben sind in mehreren Räumen Gegenstände ausgestellt, die auf den ersten Blick nichts mit Kirche zu tun haben.

Ein geschnitzter Holzlöffel aus dem Mittelalter, ein antiker Fußwärmer aus Holz, oder Maria Dickmans aus dem Jahr 1742 als Schaufensterpuppe in Grafschafter Tracht kann man so ohne weiteres nicht mit Kirche in Verbindung bringen.

Unten im Eingangsraum hängt ein alter Wetterhahn, der viele Jahre seinen Dienst auf der Spitzen des Turmes getan hat und hier nun seinen verdienten Ruhestand verlebt. Er kann sehr viele Geschichten erzählen, von all dem was er in den Jahrhunderten von oben gesehen hat.

Übrigens ist die Repelner Kirche nicht nur eine der sieben ältesten Kirchen Deutschlands, sondern sie hat auch als einzige evangelische Kirche zwei Wetterhähne. Der Volksmund sagt, das eine ist der Hahn, das andere ist die Henne, aber sie kommen nie zusammen. Auch im Eingangsbereich ein beleuchteter Glasschrank, in dem der Museumsgründer versucht hat, an Hand von Modellen 1300 Jahre Baugeschichte der Kirche bildlich nachzustellen. Und noch ein beleuchtetes Modell der Repelner Kirche das sogar mit dem Besucher spricht, wenn man denn eine Münze in einen Schlitz seines Daches einwirft. Bei größeren Münzen lässt das Modell sogar die Orgel erklingen.

Im nächsten Raum sehen wir eine riesige Scheibe eines Baumstammes der nahezu 200 Jahre alt geworden ist, und der in der Nähe der Donkschule von Konfirmanden und ihrem Pfarrer im Jahr 1813 gesetzt wurde. Die Jahresringe sind beschriftet und weisen auf viele Ereignisse hin, die dieser Baum erlebt hat.

Eine Treppe höher in den Turm hinein begegnen wir dem ersten evangelischen Pfarrer, der im Jahre 1560 aus der katholischen Kirche ausgetreten ist und mit seiner gesamten Gemeinde evangelisch wurde. Er erzählt den Besuchern, dass er die nicht mehr benötigten Monstranzen für 75 Klevische Taler verkauft hat. Jener Anold Steurs, war zuvor Vikar in der Moerser Stadtkirche und hat dort die reformierte Lehre von seinem Grafen übernommen.

Im Museumsstübchen  finden wir den hölzernen Bierkrug von Pfarrer Tremöhlen, den er sich aus der benachbarten Gastwirtschaft ( heute Hotel zur Linde ) gefüllt  bringen ließ. Der Krug fasst genau 6 Liter und es ist nicht überliefert, wie lange das dem Herrn Pfarrer gereicht hat. Hier sitzt auch Maria Dickmans in einer alten Kirchenbank in  Grafschafter Tracht, weil sie mit ihrem Mann der Repelner Gemeinde im Jahre 1740 ein kostbares Geschenk gemacht hat. In den Glasschränken und in den Vitrinen sehen wir viele Exponate, die dem Besuchern so manche Rätsel aufgeben. Uralte kostbare Bibeln und Kirchenbücher,  die ältesten aus dem Jahr 1577 sind unter Glas ebenso ausgestellt, wie der Briefwechsel des Königs von Preußen mit dem Repelner Pfarrer, der seinen König in einer wichtigen Angelegenheit um Hilfe gebeten hatte.
Alte Orgelpfeifen die als Lampen umgebaut sind, können die Ausstellungsstücke besser zur Geltung bringen. Man erkennt hier die Handschrift des Museumsgründers wieder, der im Berufsleben einmal Elektroingenieur war. Davon erzählt auch die erste elektrische Steuerung der  Glockenmotore, die ab 1912 in Repelen elektrisch betrieben wurden. Die Steuerung wurde im Müll des Turmes gefunden, sie wurde liebevoll restauriert und an der Wand drehbar befestigt, sodass sie von allen Seiten betrachtet werden kann.

Im nächsten Raum kann der Besucher eine 1000 Jahre alte Tuffsteinwand bewundern, die in Vorzeiten einmal eine Außenwand der Kirche darstellte, heute aber umbaut ist. Hier gibt es auch Orgelpfeifen und ein altes Harmonium, an dem die Organistin Fräulein Spickermann nach dem Krieg den Gemeindegesang begleitete, wenn der Strom für die Orgel wieder einmal ausgefallen war.  Uralte Grabsteine und ein Baumsarg erzählen hier in diesem Raum von der Grabkultur in früheren Zeiten und von dem Wunsch unserer Vorfahren, doch möglichst nahe an der Kirchenmauer bestattet zu werden, damit der Weg zum jüngsten Gericht doch etwas kürzer ist.

Wenn man jetzt noch den Mut hat, eine weitere fast 200 Jahre alte Treppe zu besteigen, dann kommt man in das Gewölbe oberhalb des Kirchenschiffes. Hier ist es erstaunlich groß und es gibt viel Platz   für weitere Ausstellungsräume, die in absehbarer Zeit dort noch entstehen könnten. Die letzte Gräfin von Moers, jene sagenumwobene Walpurga ( in Moers gibt es ihr zu Ehren noch die Walpurgisstrasse ) steht vor der Ahnengalerie und informiert den Besucher darüber, dass sie es gewesen ist, die dafür gesorgt hat, dass die gesamte Grafschaft Moers und somit auch Repelen den reformierten Glauben erhalten hat. Sie hatte wegen fehlender Nachkommen ihre Grafschaft an Moritz von Oranien verschenkt, der dann mit seinem Kriegsheer die katholischen Spanier aus dem Lande trieb. In der Ahnengalerie hat man Gelegenheit, die Lebensläufe aller evangelischen Pastoren zu lesen, die jemals an dieser Kirche angestellt waren. Seit die Fotografie laufen lernte, gibt es auch Bilder von den Pfarrern und die Besucher können an Magnettafeln versuchen die richtigen Namen unter die Bilder zu platzieren.
Wer im Turm noch weiter nach oben will, der kommt zu den uralten Glocken, die im Dreißigjährigen Krieg gegossen wurden. Die größere Glocke wurde von den Machthabern des „Dritten Reiches“ im Jahr 1941 beschlagnahmt, um sie zur Herstellung von Patronenhülsen einzuschmelzen.

Findige Repelner Bürger versteckten die Glocke jahrelang im Moerser Straßenbahndepot unter vielen alten Putzlappen. Nachdem man sie trotzdem gefunden hatte, wurde sie per Bahn in den Harz verschleppt, zum Einschmelzen. Das hat aber so lange gedauert, dass der Krieg mittlerweile zu Ende war. 1949 kam die Glocke zurück und läutete 1 Stunde lang mit ihrer kleinen Schwester zur Begrüßung für die Gemeinde. Über die Glocken kann der Museumsleiter weitere schöne Geschichten erzählen. Sie können sich auch die Glocken im Internet anhören, unter www.turmmuseum.de gibt es auch eine Seite, die sich mit der Glockenstube beschäftigt.

Der Besuch in diesem Museum kostet keinen Eintritt. Das wird so praktiziert, wie bei „Kirchens“ immer so üblich: man kommt umsonst herein, aber am Ausgang steht eine Sammelbüchse.
Es gibt auch keine Öffnungszeiten. Immer dann, wenn die Kirche geöffnet ist, dann kann man auch das Museum besuchen; und diese Kirche ist oft geöffnet, nicht nur zu den Gottesdiensten. Hier finden auch viele Konzerte und Veranstaltungen statt. Wer außerhalb der Öffnungszeiten eine Führung haben möchte, der kann sich einfach telefonisch melden, oder im Internet anklicken, es wird ihm sicher geholfen. Eine Führung dauert mindestens eine Stunde und ist gut geeignet als Programm für Gäste, Geburtstagsfeiern, Jubiläum, oder Ähnlichem.